Stations of the Elevated
Langsam zieht der Titelschriftzug durchs Bild, wie ein Zug, der anfährt - und gibt den Blick frei auf eine Ansammlung länglicher Dächer aus der Vogelperspektive. Sie wirken wie schlafende Schlangen, abstrakt und grünbeige, sorgsam gegliedert wie ein konstruktivistisches Gemälde. Dann bewegt sich doch etwas. Aber erst, wenn das typische metallische Quietschen ertönt, weiß man, dass man es wirklich mit Zügen zu tun hat. Zaghaft setzt ein Schlagzeug ein, ein Lok pfeift, ein Basslauf kommt dazu, die Musik wird dichter, und endlich sieht man eine der Hochbahnen von der Seite mit bunten Graffitis übersät quer durchs Bild fahren, dann eine Zweite, eine Dritte, alle von rechts nach links, in einem ganz ungewöhnlichen Rhythmus. So beginnt "Stations of the Elevated".
Die poetische Dokumentation über die kunstvollen Graffiti auf den New Yorker Hochbahnen im Jahr 1979 zeigt die verschwundenen Formen der illegalen Spontankunst mit tristen Alltagsbotschaften aus dem schwarzen Ghetto, aber auch Parallelen zu den legalen, oft aggressiven Werbetafeln am Wegesrand. Ein meisterhaft fotografiertes stimmungsvolles Zeitzeugnis, das sich jeden Kommentars enthält, aber durch die anachronistische Jazzmusik und den malerisch-musikalischen Rhythmus die Spraykunst auch nostalgisch verklärt. - Sehenswert (Filmdienst)
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